Um die Erlaubnis für die Ausübung der Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz, auch "kleiner Heilpraktiker" genannt, zu erlangen, ist eine entsprechende Wissensüberprüfung abzulegen. Diese Überprüfungen finden zweimal jährlich im März und Oktober bei den zuständigen Gesundheitsämtern statt.

Für die Zulassung zur Prüfung fordert der Gesetzgeber

  • ein Mindestalter von 25 Jahren
  • einen Wohnsitz in der BRD, EU-Bürgerschaft oder Aufenthaltsgenehmigung
  • den Nachweis eines erfolgreichen Schulabschlusses (mindestens Hauptschulabschluss)
  • eine gesundheitliche Eignung, nachgewiesen durch ärztliches Attest
  • ein polizeiliches Führungszeugnis zur Vorlage bei Behörden
  • einen kurzen Lebenslauf mit Zeugnissen

Diese niedrige Zugangsschwelle und die vergleichsweise kurze primäre Ausbildungszeit dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sowohl die amtsärztliche Überprüfung als auch die Berufsausübung hohe Anforderungen an das fachliche Wissen sowie die persönliche Eignung und “Reife” stellen. Da die bei bestandener Prüfung erteilte Erlaubnis den Zugang zu einer sehr verantwortungsvollen Tätigkeit eröffnet, wird durch diese Überprüfung im Wesentlichen sichergestellt, dass Sie diese Fähigkeiten besitzen und sich Ihrer Sorgfaltspflicht bewusst sind.

Auch wenn die Herausforderungen in den letzten Jahren gewachsen sind, haben Teilnehmer, die sich durch fundierten Unterricht und intensives häusliches Studium entsprechend vorbereiten, gute Chancen.

Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und mündlichen Teil. Die schriftliche Prüfung ist als Multiple Choice Test gestaltet, bei dem Sie in 55 Minuten 21 von 28 Fragen richtig beantworten müssen. Geprüft werden Ihre Kenntnisse bezüglich der psychischen, psychiatrischen und neurologischen Krankheitsbilder, der Diagnostik und Differenzial-diagnostik, der Pharmakologie und der Erhebung eines psychischen Befundes.

Ist dieser Teil bestanden, findet nach etwa zwei bis acht Wochen die mündliche Prüfung statt, in der Sie anhand von Fallbeispielen aufzeigen sollen, ob Sie mit den wichtigsten Krankheitsbildern vertraut sind, eine Diagnose stellen können und in der Lage sind, entsprechende Behandlungswege aufzuzeigen und in einer Krisensituation angemessen zu reagieren.

Die Prüfungsgebühren belaufen sich zurzeit auf etwa 500 €. Diese sind direkt an das Gesundheitsamt zu entrichten. Es ist gesetzlich geregelt, dass die Prüfung bei Nichtbestehen beliebig oft wiederholt werden kann.

Die Prüfung findet üblicherweise beim zuständigen Gesundheitsamt für Ihren Wohn- bzw. falls abweichend dem zukünftigen Praxisort statt.

Merkblatt Gesundheitsamt Augsburg Stadt
Merkblatt Gesundheitsamt Augsburg Land